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Firmenchronik

Die Blindenwerkstätte Betzdorf, ist ein anerkanntes und gemeinnütziges Unternehmen. Alles Geld, was erwirtschaftet wird, fließt in die Sicherung und Erhaltung der Arbeitsplätze. Rücklagen dürfen nicht angesammelt, Gewinne dürfen nur satzungsgemäß verwendet werden.

Am 22. August 1949 versuchte Herr Heinrich Röser in Siegen mit rund 100 Mitgliedern eine Blindenwerkstätte aufzubauen. Das Projekt scheiterte. Es gab zu wenige Blinde, die das Angebot annahmen und auch immer mehr Förderer sprangen ab, sodass sich Herr Röser entschloß, in Betzdorf einen Neuanfang zu wagen. Den Kopf voller Ideen und dem hoffnungsvollen Ausblick auf die ersten kleinen Aufträge, fand er in der Hellerstraße 9, wo früher die Bühne der Stadt Betzdorf ihr Domizil hatte, geeignete Räumlichkeiten. Büro, Werkstatt und Lager entstanden im Erdgeschoß, mehr Raum hatte man nicht zur Verfügung.

Schnell folgten größere Aufträge und die ersten unerschrockenen Mitarbeiter kamen in die Firma. - Doch es gab auch schwierige Zeiten, guter Geschäftsgang wechselte in dieser Zeit mit Depressionen, Absatzstockung, Geschäftsstille und Liguititätsschwierigkeiten bis hin zum Vergleich. Man war gezwungen weitere Kredite aufzunehmen, die Herr Röser sogar mit einer Hypothekeneintragung auf sein privates Wohnhaus in Siegen abdeckte.

Laut Protokollbuch wurde am 6. Mai 1963 dem damaligen Geschäftsführer Herrn Heinrich Röser und Herrn Roland Grosser Vollmacht erteilt, den Ankauf des heutigen Hauptgebäudes einschließlich Grundstück und Hofraum, von Herrn Albert Monzen, auf Rentenbasis vorzunehmen.

Ungeachtet der finanziellen Engpässe, die dadurch entstanden, gingen wir weiter auf Expansionskurs. In der folgenden Zeit wurde aus dem ehemaligen Zuschauerraum ein Aufenthaltsraum, später die heutigen Büroräume. Der Bühnenbereich wurde zur Werkstatt umfunktioniert, die dann später dem heutigen Hölzerlager weichen mußte.

Im Jahre 1978 wurde das Nachbargebäude Wertmann, in der Hellerstraße 11, erworben. In dem dadurch möglich gewordenen Anbau der 8oer Jahre entstand dann, über dem derzeitigen Gesellschafts-Saal`s der Gaststätte "Zum grünen Baum", unsere heutige, behindertengerechte Werkstätte. Auffällig sind hierin die großzügig konzipierten und lichtdurchflutenden Räumlichkeiten. Werkbänke und Maschinen sind so installiert, dass blinde und behinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mühelos zurechtfinden. Das war in all den Jahren aufgrund der beengten Platzverhältnisse undenkbar.

Auch das Lager konnte im Zuge dieses Anbaus großzügig erweitert und mit dem erforderlichen Maschinenpark, z.B. einem Verpackungsautomat, ausgestattet werden. Das Zuschüren per Hand gehörte somit der Vergangenheit an.

1980 übergab Heinrich Röser die Geschäftsführung in jüngere Hände. Seit dieser Zeit leitet sein Sohn Jürgen Röser die Blindenwerkstätte Betzdorf. Aber nicht alle Arbeitnehmer arbeiten in dem Betrieb Hellerstraße 9. Viele Waren werden auch in Heimarbeit gefertigt. Selbst Sehbehinderte in der Vordereifel und in Hessen werden durch die Blindenwerkstätte Betzdorf betreut.

Auf wenig Gegenliebe für diese Arbeit des Unternehmertums traf Herr Heinrich Röser lange Zeit bei den Kommunalbehörden.

Eine besondere Freude war es deshalb für ihn, als er für sein Engagement 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde.

Heute ist die Adresse der Blindenwerkstätte Betzdorf in der Hellerstraße 9 ganz auf die Lebensumstände der Belegschaft zugeschnitten. Der ehemalige Bühnenbetrieb und Saalbau unterhält im eigentlichen Arbeitsbereich keine überflüssigen Treppen und Stufen mehr. Vor allem auffällig sind die großzügig konzipierten und lichtdurchfüllten Räumlichkeiten, Werkbänke und Maschinen sind so installiert, daß blinde wie sehbehinderte Mitarbeiter sich mühelos daran zurechtfinden. Die Arbeitsplätze sind so hergerichtet, daß zwischen und neben ihnen soviel Freiraum verbleibt, in dem sich die Nichtsehenden ohne Hilfe anderer Personen bewegen können. - Ohne Sehende aber wäre ein derartiger Betrieb gar nicht aufrecht zu erhalten.

So versorgen Körperbehinderte, aber Sehende die blinden Mitarbeiter mit Arbeitsmaterial oder übernehmen die Verpackungsarbeiten. Einem eingespielten Team obliegen die Büroarbeiten. Die Blindenwerkstätte selbst ist nicht mehr zu vergleichen, mit überkommenen Ansichten muffiger Besenbinderstuben längst vergangener Zeiten.

Blindenarbeit aus der Blindenwerkstätte Betzdorf ist mit Freude erarbeitete Qualität. Sie darf nicht als arbeitstherapeutisches Produkt abqualifiziert werden.




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